Bäume und Baustellen - ein Konflikt?
Bäume
und Baustellen haben eines gemeinsam:
Beide brauchen Platz - sowohl unterirdisch als auch oberirdisch.
Und wo zwei sich streiten, freut sich nicht immer der Dritte, sondern manchmal ist
es auch schlecht für den einen. Der eine, das sind häufig die Bäume
(manchmal aber auch die Baustelle).
Welche Gefahren drohen den Bäumen nun durch Baustellen und wie lassen sich
entschärfen ?
Gefahren drohen hauptsächlich
direkt durch:
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Kronenschäden
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Stammschäden
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Wurzelschäden
oder indirekt durch:
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Aufschüttungen
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Verdichtungen
Kronenschäden
Direkte Kronenschäden entstehen in der Regel, wenn bewußt Kronenteile,
seien es Fein- oder Starkäste abgesägt werden bzw. durch sich bewegende
Maschinen abgerissen werden. Hinsichtlich des entstandenen Schadens kommt es hier
auf die Stärke des Eingriffs an.
Zum einen kann es sich um eine erhebliche ästhetische Einbuße handeln.
Falls die entstandene Wunde allerdings relativ groß ist, so ist davon auszugehen,
daß Fäule in die Wunde einzudringen beginnt und den Baum noch weiter
schädigt. Dies ist z.B. der Fall, wenn starke Äste gebrochen werden oder
Äste am Stamm abgerissen werden und noch lange Rindenbahnen mit abgezogen werden.
Stammschäden
Die nächste Art der Verletzung, die Bäumen häufig zugefügt werden,
sind Beschädigungen am Stamm. In der Regel handelt es sich dabei um abgerissene
Rinde, selten wird auch der eigentliche Holzkörper mit in der Tiefe beschädigt.
Die Rinde erfüllt nämlich zum einen eine Schutzfunktion, zum anderen stellen
ihre tieferen Schichten vereinfacht gesagt auch das Transportsystem des Baumes dar.
Zuerst einmal zur Schutzfunktion:
Ist die Rinde nicht mehr vorhanden, wird der eigentliche Holzkörper schnell
von holzzersetzenden Pilzen besiedelt.
Der an größeren Wunden infolge der Verletzung entstandene Pilzbefall
kan langfristig zu einer erheblichen Verkehrsgefährdung führen und verkürzt
auch die Lebensdauer des Baumes.
Ferner wird durch eine Rindenverletzung der Assimilatetransport unterbrochen. In
Abhängigkeit vom Ausmaß der Schädigung kann dies zu schweren Wachstumsstörungen
bis zum Absterben des Baumes führen.
Wird der Rindenmantel eines Baumes in erheblichem Maße zerstört, so ist
es notwendig, auch die Krone des Baumes zurückzunehmen, damit die Stoffproduktion
und der Stoffverbrauch des Baumes in ein angemessenes Verhältnis zu den dazu
notwendigen Leitungsbahnen gesetzt werden.
Wurzelschäden
Der
Wurzelbereich eines Baumes nimmt einen erheblichen Raum ein, der zwar nicht in der
Tiefe aber so doch in der seitlichen Ausdehnung der Kronentraufe entspricht - die
Wurzel, der unsichtbare Zwilling der Krone.
Die Klassifizierung in Herzwurzler, Pfahlwurzler und Flachwurzler gilt in der Stadt
nicht, da hier das Aussehen des Wurzelwerkes durch andere Faktoren wie Nahrungs-/
Wasserangebot oder unterschiedliche Bodenbeschaffenheit bestimmt wird.
Bei Grabungen in baumbestandenen Terrain, die wiederum i.d.R. mit Maschinen ausgeführt
werden, treffen die Baggerlöffel auf ihrem Weg nach unten häufig auch
auf Wurzeln, wobei der stärkere - das ist fast immer der Bagger - hier nicht
nachgibt, sondern die Wurzeln durchreißt bzw. stark beschädigt.
Nun haben Wurzeln eine Doppelfunktion. Zum einen stellen sie den Verankerungsmechanismus
des Baumes in der Erde dar, zum anderen sind sie das Instrument, mit dem der Baum
Feuchtigkeit und Nährstoffe aufnimmt.
Durch Wurzelverluste kann insofern akut die Standsicherheit des Baumes verlorengehen,
es kann aber auch zu erheblichen Vitalitätsverlusten und Dürre bzw. schütterer
Belaubung in der Krone kommen.
Langfristig können Wurzelfäule infolge des Eindringens von Pilzen an den
Wundstellen (u.U. einhergehend mit Verlust der Standsicherheit) und Totholzanfall,
jahrelanges Kränkeln - einhergehend mit einem hohen Pflegeaufwand - bis hin
zum Absterben die Folge sein.
Fast alle umgestürzter Bäume in der Stadt, die nicht auf Orkane oder Blitzschlag
zurückzuführen sind, finden ihre Ursache in durch Menschen beigebrachten
Verletzungen mit nachfolgender Fäulnis.
Indirekte Schäden
Neben diesen direkten Verletzungen kann es aber auch zu indirekten Schäden
durch Verschlechterung des Standortes infolge von Bauarbeiten kommen.
Beispielhaft sind diesbezüglich zu nennen:
Schäden durch Bodenaufträge/Bodenversiegelung, Bodenverdichtung
Bodenaufträge sind grundsätzlich baumschädigend. Das Bodenleben und
der Luft- u. Wasseranteil im Boden werden durch eine Auffüllung für den
Baum nachhaltig negativ verändert.
Als Folgen dieser Zusammenhänge können auftreten:
-
Absterben des gesamten Baumes (insb. Buchen sind sehr empfindlich)
-
Partielles Absterben von Kronenteilen bzw. Kränkeln.
-
Eindringen von Fäule in teilweise abgestorbene Wurzeln.
Entsprechendes gilt selbstverständlich auch für Versiegelungen.
Auch durch Verdichtungen, hervorgerufen durch Baustellenverkehr, also schwere Fahrzeuge
oder aber auch durch Lagerung von schweren Bauteilen im Bereich der Wurzelteller
können für den Baum große Schäden entstehen. Es verschlechtern
sich die Lebensbedingungen der Wurzeln in Form eines erhöhten mechanischen
Durchwurzelungswiderstandes, unzureichender Versorgung mit Bodenluft sowie verschlechterter
Wasserleitfähigkeit.
Negative Auswirkungen auf Vitalität und Stabilität des betroffenen Baumes
sind die Folge.
Anzumerken ist, daß 75 % der pflanzenschädlichen Verdichtungen schon
nach 2 - 3 Überfahrungen erreicht werden und somit kein Dauerverkehr nötig
ist, um entsprechende Schäden hervorzurufen.
Aber es gibt gesetzliche Regeln und Vorschriften, die unsere Bäume schützen
und Hinweise für Problemlösungen aufzeigen.
Als solche sind die RAS LP 4 (Richtlinie für die Anlage von Straßen)
sowie die DIN 18920 (Schutz von Bäumen, Pflanzenbeständen und Vegetationsflächen
bei Baumaßnahmen) zu nennen.
Desweiteren stehen auch die Baumsachverständigen des BTÜB
für entsprechende Fragestellungen kompetent zur Verfügung. Die gilt sowohl
für den Bereich der Bauberatung, Baubegleitung wie auch für Bauüberwachungen und entsprechende Baumgutachten.
Denn Bäume sind es wert, geschützt zu werden.
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